Call for Papers

Im Kontext der Behindertenbewegungen der 1970er Jahre begannen behinderte Wissenschaftler_innen, wissenschaftliche und politische Entwicklungen im Hinblick auf ihre Bedeutung für behinderte Menschen zu analysieren. Diese kritische Auseinandersetzung bildete in den 1980er Jahren zunächst in den USA und Großbritannien die Grundlage für die Disability Studies.

Trotz unterschiedlicher theoretischer Hintergründe sind sich alle Vertreter_innen der Disability Studies darin einig, dass es sich bei Behinderung nicht um ein naturgegebenes, überhistorisches Phänomen handelt, sondern um eine gesellschaftlich negativ bewertete körperliche Differenz, die im jeweiligen historischen und kulturellen Kontext betrachtet werden muss.

Im deutschen Sprachraum etablieren sich die Disability Studies seit den 2000er Jahren als neues, innovatives Forschungsfeld. Zahlreiche Veröffentlichungen, Tagungen und Promotionsprojekte sind im Kontext der Disability Studies bereits entstanden. Darüber hinaus wurden einige Institute und Professuren eingerichtet, durch die die Disability Studies in den deutschsprachigen Ländern heute an Universitäten und Hochschulen vertreten sind.

Gleichzeitig haben sich die Forschungsfragen diversifiziert und das Themenspektrum erweitert: Innerhalb bzw. parallel zu den Disability Studies sind u.a. Cultural Disability Studies, Deaf und Mad Studies, Disability History, Queer Disability Studies und Disability Studies in Education entstanden. Daneben sind Tendenzen der Vereinnahmung zu beobachten, z.B. in Diskursen um Inklusion und Teilhabe, in denen unter dem Label der Disability Studies oftmals lediglich konventionelle Behinderungsforschung betrieben wird.

Die Tagung „Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung. Disability Studies im deutschsprachigen Raum“ möchte die gesamte Bandbreite der Disability Studies aufzeigen und die Gründung eines deutschsprachigen Netzwerks anregen.

Mit diesem Call for Papers laden wir dazu ein, bis zum 15. Februar 2018 Abstracts für Einzelbeiträge oder Workshops (bestehend aus drei Einzelbeiträgen) aus dem genannten inhaltlichen Spektrum einzureichen.

Hier geht es zur Beitragseinreichung.

Die Länge der geplanten Einzelbeiträge soll 20 Minuten nicht überschreiten, damit ausreichend Zeit zur Diskussion bleibt. Willkommen sind sowohl theoretisch-konzeptionelle als auch empirisch orientierte Beiträge. Auch Einsteiger_innen in die Disability Studies sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.

Wir freuen uns insbesondere über Einreichungen zu folgenden Themenbereichen:

  • Disability Studies im deutschen Sprachraum und in verschiedenen Disziplinen – Bestandsaufnahmen

  • Begriffe und Modelle von Behinderung, Konzepte von Beeinträchtigung („impairment“) – die Rolle des Körpers in den Disability Studies

  • Disability Studies intersektional (Gender / Alter / Fluchterfahrung / Migration / Klasse etc.)

  • Mad Studies

  • Deaf Studies

  • Feministische und queere Perspektiven in den Disability Studies

  • Historische Perspektiven auf Behinderung (Disability History)

  • Die Rolle des Rechts in den Disability Studies

  • Disability Studies & der globale Süden

  • Antikoloniale und antirassistische Perspektiven

  • Disability Studies im Kontext der Debatten um Inklusion, Teilhabe und Teilhabeforschung

  • Interdisziplinäre Perspektiven in den Disability Studies

  • Disability Studies und Praxen von Sorgearbeit (care)

  • Behinderung, Neoliberalismus und die Ökonomisierung des Sozialen

  • Behindertenpolitische (Abwehr-)Kämpfe, Menschenrechte und Aktivismus

 Die Benachrichtigung über die Annahme des Beitrages wird bis zum 31. März 2018 erfolgen.

Geplant von

David Brehme (Humboldt Universität zu Berlin)
Petra Fuchs (Hochschule Zittau/Görlitz),
Swantje Köbsell (Alice Salomon Hochschule Berlin),
Rebecca Maskos (Hochschule Bremen)
Carla Wesselmann (Hochschule Emden/Leer)
Michael Zander (Hochschule Magdeburg-Stendal)

Unterstützt von

Disability Studies Deutschland e.V.
AG Disability Studies Deutschland
Disability Studies Austria (DistA)